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Totenmaske Wagner
Richard Wagner als Totenmaske
Ihr StandortDie Totenmaske

Eine Maske kann die Auseinandersetzung mit dem Tode sein. Dass die Gesichtsabgüsse in der Umgangssprache, aber auch in der wissenschaftlichen Literatur als Totenmasken bezeichnet werden, hängt mit historischen Verknüpfungen zusammen.
  Mit der Maske wird eine Form benannt, die das Abbild eines Gesichtes wieder gibt.

Masken gehören zu den frühesten Zeugnissen fast aller Kulturen und kommen in allen geographischen Bereichen und in den unterschiedlichsten Formen vor.
  Im alten Ägypten, Rom, China oder Mexiko und auch bei den Hopi-Indianern legte man den Verstorbenen Totenmasken aufs Gesicht, um sie vor bösen Geistern zu schützen oder, wie in Ägypten, um den Geist des Verstorbenen in sein neues Haus im Jenseits zu geleiten.

Im alten Rom dienten Totenmasken, die per Wachsabdruck vom Gesicht des Verstorbenen abgenommen wurden, als Vorlage für Steinbüsten.
  In Ägypten wurden Totenmasken aus Gips abgenommen und aus geriebenem Gold gefertigt, um lange erhalten zu bleiben.
  Die Totenmaske des Agamemnon wurde von Heinrich Schliemann 1876 in einem Fürstengrab bei Mykene entdeckt. Sie stammt aus dem 16. Jahrhundert vor Chr. und besteht aus eine Gold-Silber-Legierung (zu sehen im Nationalmuseum Athen). Die wohl bekannteste Totenmaske dürfte die von Tut-ench-Amun sein. Die Totenmaske des Pharaos stammt aus dem 14. Jahrhundert v. Chr. und ist aus geriebenem Gold gefertigt und mit Karneöl, Lapislazuli, grünem Feldspat und türkisfarbenem Glas geschmückt. (Ägyptisches Museum Kairo)

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Weiter findet man bei der Ipiutakkultur, die zwischen etwas 100 v. Chr. und 500 n. Chr. am Cape Lisburne im Norden Alaskas existierte, eine Siedlung, zu der ein Friedhof gehörte mit Einbaum-Särgen und aufwendig ausgestatteten Gräbern mit kleinen Holzkammern.
  Als Beigabe fanden sich neben Alltagsgegenständen auch Totenmasken mit Verzierungen im Tierstil, die höchstwahrscheinlich auf Einflüsse aus Sibirien zurückgehen.

In Europa findet man die Totenmaske seit der Bronzezeit ca. 2300-1300 v. Chr. auch in Schweden.

Erst im 18. Jahrhundert n. Chr. entwickelte sich die Totenmaske zu jener eigenen Form der Bewahrung des authentischen menschlichen Gesichtes.
  Madame Tussauds Wachsfigurenmuseum in London wurde nach ihrem Tod von Tussaud 1835 gegründet. Die aus der Schweiz stammende französische Wachsbildnerin wurde während der Französischen Revolution als Monarchistin verhaftet und gezwungen, von den Opfern der Guillotine Totenmasken anzufertigen.

Im 19. Jahrhundert beginnt die eigentliche Blütezeit der Totenmasken. Sie wurde sogar Kulturobjekt des aufgeklärten Bürgertums. Als Zimmerdenkmale repräsentieren sie die geistige Verbundenheit mit dem Dargestellten. Indem man das Anlitz der Toten bewahrte, glaubte man, die geistige Hinterlassenschaft festzuhalten und an ihr teilhaben zu können.

Totenmasken von bedeutenen Persönlichkeiten gibt es unter anderem von Richard Wagner (1813–1883), Kurt Tucholsky (1890–1935), Theodor Heuss (1884–1936), Friedrich der Große, König von Preußen (1712–1786) und natürlich Ludwig van Beethoven (1770–1827).
  In der Regel scheinen Totenmasken frei von Schmerz und Todeskampf. Sie strahlen Ruhe und Verklärtheit aus.

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Gedenken in Gips
Die Bestatterin Carola Cramer bietet Totenmasken als Trauerhilfe an

Die Augenlider ruhen bleiern, den Mund umspielt ein sanftes Lächeln. Jede Falte, jede Pore wirkt entspannt. Der alte Mann hat seinen Frieden mit der Welt gemacht. In seinem letzten Gesichtsausdruck liegt absolute Ruhe. Und plötzlich versteht man, was ein Bestatter meint, wenn er die Totenmaske als „Trauerobjekt“ bezeichnet. Sie ist mehr als ein bloßer Abdruck. „Man sieht jede kleine Narbe, jeden Leberfleck“ sagt Carola Cramer. „Die Hinterbliebenen entdecken in der Totenmaske alles wieder, was sie an ihrem Angehörigen geliebt haben.“ Seit Anfang April bietet die Bestatterin aus Neuruppin ihren Kunden an, eine Maske des Toten anzufertigen. „So etwas mag nicht jeder“, sagt sie. Doch wenn sich die Angehörigen eine greifbare Erinnerung wünschen, kann Carola Cramer helfen. In der Tucholsky-Gedenkstätte hat die 38-jährige die Totenmaske neu endeckt. Dort liegt unter Glas ein Gips-Abbild des Dichters, das im Dezember 1935 kurz nach seinem Tod im schwedischen Exil entstand. Carola Cramer war begeistert. Im März absolvierte sie ein Totenmasken-Seminar in Solingen und macht die Masken seitdem selbst. Alles, was sie dazu braucht, passt in einem herkömmlichen Aktenkoffer: Silikon, Stabilisator und Draht. „Das ist eine ganz saubere Sache“ sagt sie und klappt den Koffer auf. Auf einem grauen Schaumstoffeinsatz liegen zwei Kartuschen, Kleinwerkzeug und Draht. An einem Muster erklärt Carola Cramer, wie sie die Maske anfertigt. Zunächst trägt sie auf das Gesicht des Toten eine Schicht Silikon auf. Berührungsängste hat sie dabei nicht. „Ich wasche, kämme und schminke die Toten“, sagt sie. „Da ist eine Maske nicht anders.“ Über Wangenknochen und Nase legt die Bestatterin anschließend einen Draht, der die Maske später stabilisiert. Dann wird beides mit einer grünen, gummiartigen Masse überzogen, die schnell aushärtet und die Silikonschicht von außen stabilisiert. In die Silikonschicht wird dann die eigentliche Maske gestrichen: In drei bis vier dünnen Schichten trägt Carola Cramer Gips auf. Danach wir die Maske bei 43 Grad 24 Stunden lang gebrannt und anschließend farblos lackiert. „Das muss schon sein“, sagt die Bestatterin. „Die Masken sind in der Schrankwand sonst echte Staubfänger.“ Den Silikon-Abdruck gibt Carola Cramer den Angehörigen mit. „So können sie sich immer wieder eine Totenmaske anfertigen lassen.“ Die junge Bestatterin schwimmt mit ihrem neuen Angebot auf einer Welle der Renaissance. Seit der Antike haben Menschen versucht, durch das Abnehmen einer Maske am Totenbett das Andenken an eine verehrte oder geliebte Person zu bewahren. Im 19. Jahrhundert kam es zu einem wahren Totenmasken-Kult – die Menschen empfanden den Tod nicht mehr als abstoßend und schrecklich, sondern als Bruder des Schlafes. Jeder, der etwas auf sich hielt, hinterließ der Nachwelt seinen letzten Ausdruck: Wagner, Wedekind, Beethoven, Luther, Heuss, Mahler, Shakespeare. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war eine Totenmaske für Prominente nichts Besonderes. Erst nach 1945 ebbte der Kult ab: Nach zwei Weltkriegen wollten die Menschen das Antlitz des Todes nicht mehr sehen. Fast 60 Jahre später ist die bleibende Erinnerung wieder im Kommen.
(MAZ vom 27.04.2004)

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